CDU Weinheim

Islam und Islamismus

Ein Thema, das zurzeit polarisiert und durch Falschmeldungen emotionalisiert, ist der Islam als Religion, und wenn er zur Politik wird, als Islamismus. Die Islamwissenschaftlerin Dr. Gabriele Berrer-Wallbrecht, eingeladen vom CDU-Stadtverband, stellte den interessierten Zuhörern im Schmittberger Hof die Unterschiede zwischen beiden detailliert dar.

Beim Streifzug durch die Geschichte des Islams, ausgehend von seinem Mutterland Saudi-Arabien mit seinen heiligen Stätten Mekka und Medina und seine Verbreitung über viele Teile der Welt bis hin zu seiner heutigen Ausdehnung als dritte monotheistische Religion nach Judentum und Christentum wurde deutlich, wie verschieden sich der Islam auswirkt. Als typische Gegenpole nannte die Referentin innerhalb der 56 muslimischen Staaten mit 1,3 Mrd. Anhängern Marokko und Indonesien auf der einen Seite und Saudi Arabien und die Türkei auf der anderen. Der jetzige König von Marokko, Mohammed Ben Al-Hassan, hat es sich zum Ziel gesetzt, gegen die Missstände seines Landes, wie etwa Armut und Korruption vorzugehen und die Menschenrechte in seinem Land zu stärken. Ein Beispiel dafür ist die Förderung der Schulbildung von Jungen und Mädchen. Auf der anderen Seite steht Saudi-Arabien, wo die Scharia wahhabitisch ohne Berücksichtigung der Menschenrechte wie vor allem Glaubens- und Meinungsfreiheit praktiziert wird. In jüngster Zeit entwickelt sich auch die, seit Atatürk (Mustafa Kemal) 1924 demokratische und laizistisch geprägte Türkei, in islamistischer Weise. Erdogan verstößt als Islamist anhaltend gegen die Menschenrechte, wie sie seit 1948 in der UN-Charta verankert sind.

Die vielen in letzter Zeit nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge seien dankbar, in einer Demokratie zu leben, in der ihre Menschenrechte geachtet werden, so Berrer-Wallbrecht. Umgekehrt verlange Deutschland von ihnen die Achtung des Grundgesetzes und keinen Aufbau einer Paralleljustiz (durch Zulassen von Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Vielehe, Bildungsverbot für Frauen u.v.a.). Da der Koran und die Sammlung der Aussprüche des Propheten – die Hadit Literatur als Richtschnur für die Lebensweise eines Muslims gelten, ist die Interpretation (Exegese) das Entscheidende.

Dies nutzen Islamisten (Salafisten, Djihadisten, IS-Mitglieder u. a.) für eine Aufforderung zur Gewaltanwendung, während die modernen Muslime die Toleranz gegenüber den „ahl-al-Kitab“: „Leute des Buches“, also Juden mit der Thora und Christen mit der Bibel – und die Barmherzigkeit und Religionsfreiheit als unabdingbar neben den 5 Geboten des Islams erkennen. Kritisch zu sehen sei ferner, dass in Deutschland tätige Organisationen wie die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, abgekürzt DITIB, dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert und die für DITIB tätigen Imame de facto Beamte des türkischen Staates sind. Um zu wissen, was sich im Koranunterricht in den Moscheen abspielt, hält Berrer-Wallbrecht daher Deutsch als Unterrichtssprache und eine Kontrolle der Lerninhalte als zwingend notwendig. Aufzupassen sei auch beim Koordinationsrat der Muslime in Deutschland, mahnt die Referentin. Nach dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“ werden dort Maßnahmen durchgeführt, die die Öffentlichkeit täuschen könnten.

„Wachsam müssen wir sein“, forderte auch Uwe Beuchle, der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Lützelsachsen. Dabei müsse man aber aufpassen, „nicht alle Muslime über einen Kamm zu scheren“. Er berichtete von sehr positiven Erfahrungen mit syrischen Flüchtlingen, die zeitweise ein Praktikum bei ihm absolvierten. Die große Mehrzahl von ihnen integriere sich in unsere Gesellschaft, ohne ihre Identität aufzugeben. Beuchle lud zu einer Veranstaltung am 12. Juli im Schmittberger Hof ein, bei der in einem Video unvergessliche Eindrücke bei einem Besuch des Stadtverbandsvorsitzenden Roger Schäfer mit seiner Frau in der „Bedarfsorientierten Erstaufnahmeeinrichtung Benjamin Franklin Village Mannheim“ gezeigt werden. Schäfer dankte abschließend der Referentin im Namen aller Zuhörer für ihren sehr interessanten Vortrag.

Foto: Ali Mansuri (CC BY-SA 2.5), https://de.wikipedia.org/wiki/Islam#/media/File:Supplicating_Pilgrim_at_Masjid_Al_Haram._Mecca,_Saudi_Arabia.jpg

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